UPDATE: VCS beendet Werbeaktion für Sodastream

03.01.2018

Categories: Konsumboykott

In der Novemberausgabe 2017 des Magazins des Verkehrclubs Schweiz (VCS) wurde für Sodastream Werbung gemacht (siehe hier auf S. 14 und 31). Der VCS bot in Zusammenarbeit mit dem israelischen Unternehmen eine Promotionsaktion für Mitglieder an und übernahm wortwörtlich das Vokabular von Sodastream in einem Kurzartikel.

Wir haben den VCS in einem Schreiben auf die Problematik von Sodastream aufmerksam gemacht. In einer ersten Antwort reagierte er mit einem Statement der Firma, in dem behauptet wird, sie setze sich für Frieden und Koexistenz ein.

Neu sind solche Weisswaschungsversuche von Sodastream nicht. Bereits als Sodastream noch in der völkerrechtswidrigen Siedlung Mishor Adumim im Westjordanland produzierte, inszenierte ihr CEO Daniel Birnbaum, ein ehemaliger Pillsbury- und Nike-Manager, die Firma als «Friedensinsel», was angesichts des Landraubs durch die illegale Siedlung nur als zynisch zu beurteilen ist: Den Palästinenser_innen wurde das Land gestohlen und einige von ihnen konnten sich dann in der israelischen Produktionsstätte verdingen.

Aufgrund von breitem internationalem Druck verlegte Sodastream seine Produktion im Jahr 2015 an einen neuen Standort ausserhalb der besetzten Gebiete, in eine Industriezone zwischen Rahat und Levahim, keine 15 Kilometer von der Grenze zum Westjordanland entfernt. Doch mit der Verlegung der Produktion in die Negev-Region ist nicht viel gewonnen. Auch hier wurden und werden Menschen vertrieben. Rahat wurde 1971 durch die israelische Regierung gezielt als ein urbanes Township errichtet, um die in der Region lebende Beduinenbevölkerung dorthin umzusiedeln und zu konzentrieren. Rahat ist heute eine der ärmsten Städte Israels. Die hohe Arbeitslosigkeit der Beduin_innen gründet in der Vertreibung der Menschen von ihrem Land und in der strukturellen Diskriminierung, die in dieser Region um 1950 begann und bis heute fortdauert.

Sodastream profitiert in diesen Strukturen von der Arbeitskraft der durch die israelische Politik prekarisierten und ghettoisierten beduinischen Bevölkerung. Die Firma stützt und verschleiert damit die Zwangsumsiedlung und Landenteignungen in der Negevwüste. Beduin_innen wehren sich entsprechend gegen die Behauptung Sodastreams, aus Wohltätigkeit Arbeitsplätze für die arme Bevölkerung in Rahat zu schaffen.

Mehrere Aktivist_innen und VCS-Mitglieder reagierten ebenfalls auf die Werbeaktion und forderten den VCS beharrlich dazu auf, die Werbeaktion angesichts der Rolle von Sodastream bei der Diskriminierung der palästinensischen Bevölkerung und der aktiven Verharmlosung der israelischen Politik zu stoppen. Die Interventionen zeigten Wirkung: Der VCS bestätigte am 15. Dezember 2017, dass er das Angebot von seiner Webseite löscht und dass die Zusammenarbeit mit Sodastrem ein "einmaliges Angebot" war. Wir freuen uns über diese Entscheidung und hoffen, dass andere Schweizer Organisationen eine allfällige Zusammenarbeit mit Sodastream nach sozialen Kriterien beurteilen und die Firmenpropaganda als solche erkennen.

 

Mehr Informationen zu Sodastream und zur diskriminierenden Wasserversorgung in Israel/Palästina:

https://electronicintifada.net/blogs/ryan-rodrick-beiler/Sodastream-admits-bowing-boycott-pressure

http://www.alhaq.org/publications/publications-index/item/water-for-one-people-only-discriminatory-access-and-water-apartheid-in-the-opt

Der palästinensische nationale BDS-Ausschuss (BNC) ruft weiterhin dazu auf, Sodastream zu boykottieren.

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